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Pfarrkapitel Langenthal
Jahresbericht des Dekans
3. Juni 2009: Das Pfarrkapitel in der Kirche Zwinglihaus, Langenthal beginnt mit einer schlichten, bewegten und gehaltvollen liturgischen Feier, gestaltet durch Wolfgang Rothfahl und Christian Refardt zum Magnificat in Anlehnung an RG 555. Anschliessend Kapitelsthema mit Wolfgang Rothfahl, Pfarrer in Brugg AG, ehemals Kirchenmusiker: Neue Lieder im Gottesdienst. Einführungsmöglichkeiten im Rahmen einer Gottesdienstfeier. Wider die Verliedung. Liedauswahl nicht nur nach Kriterien wie Text und Melodie, sondern angepasst an die Phasen des Gottesdienstes. Entdeckungen, Wohlklang und Gemeinschaftsgefühl beim gemeinsamen Singen. Nach der Kapitelsversammlung Kapitelsessen in der Alten Mühle Langenthal.
19. August: Im Rahmen der Diskussion um die Gemeindeleitung und auf vielfachen Wunsch hält Pfr. Dr. Bernhard Rothen, Basel ein fundiertes Referat zum Thema: Gemeindeleitung: fromme Worte und harte Realitäten. Warum in der Kirche alle dienen wollen und es so viele Machtkämpfe gibt.
Bernhard Rothens Engagement aus seiner Liebe zum Pfarramt wird deutlich spürbar. Aus seinen umfassenden Überlegungen, nachlesbar in seinem Buch (Paul Bernhard Rothen: Das Pfarramt. Ein gefährdeter Pfeiler der europäischen Kultur; LIT Verlag 2009) betont er u.a. besonders, dass - über das Dienen einerseits im Sinne eines Dienstes zum Wohle anderer und der Gemeinschaft oder andererseits als verbrämte Machtausübung letztlich nur das Gewissen und Gott entscheiden können - eine menschlich, zeitlich, räumlich, vom Machtumfang her relative Ordnung lebensnotwendig ist. Das Erwirken einer Ordnung stellt darum einen Dienst und (insbesondere im Bereich der Sakramentsverwaltung) eine Aufgabe der ordinierten Pfarrperson dar - «Strategie» als kriegerischer Begriff und die Gott und Christus als Haupt der Gemeinde allein vorbehaltene «Leitung» fragwürdige Ausdrucksweisen zur Kirchenstruktur sind; hingegen Kirchen- und Gemeinde-«Verwaltung» und das Sprechen vom «Hirten» und «Episkopos», Bischof, als Verantwortlichkeit für das von Christus Anvertraute angemessener und fruchtbarer wäre - die zweifache Nähe der Pfarrperson zum Wort, einerseits im jahrelangen Studieren des Wortes, andererseits in der lebendigen Auseinandersetzung mit dem Wort im konkreten Leben in und mit der Gemeinde auch angemessen berücksichtigt werden muss (ebenso wie die Nähe des Kirchgemeinderates zu den Gegebenheiten eines Dorfes und einer Gemeinde). An Israel im durchorganisierten Staat der Ägypter ist der beunruhigende Ruf Gottes erfolgt, in der Wüste Gottesdienst zu feiern. (Inzwischen – am Jahresende – ist es eine traurige Tatsache, dass Bernhard Rothen wegen seines leidenschaftlichen und dezidierten Eintretens fürs Gemeindepfarramt sein sein Amt als Pfarrer am Münster Basel verloren hat.)
26. August: Wir freuen uns sehr, an der Vorstandssitzung bei Pamela Wyss in Aarwangen erstmals Oliver Santschi begrüssen zu dürfen, unseren neuen Sekretär. Er ist in dankenswerter Weise schon aktiv gewesen für unseren Pfarrverein und ist bereit, Anstehendes zu klären und anschliessend systematisch anzugehen, woraus eine grössere Übersichtlichkeit und Verlässlichkeit für den Vorstand und die Vereinsmitglieder hervorgehen soll und kann.
7. September: Pamela Wyss hat für uns in Zusammenarbeit mit unserem ehemaligen Madiswiler Kollegen und Vorstandsmitglied Beat Hofmann einen erlebnisreichen und hochinteressanten Nachmittagsausflug nach Montreux organisiert. Nach der Andacht in der Kirche der Deutschsprachigen Gemeinde berichtet Beat Hofmann eindrücklich von seinen Erfahrungen, seinem Weg und den Besonderheiten in die Waadtländer Kirche. Nach einem Besuch in der Deutschsprachigen Kirche Aigle, in der einst Guillaume Farel gewirkt und nach kurzer Gefangenschaft mit Berner Hilfe der Reformation in der Stadt zum Durchbruch verholfen hat, geniessen wir bei kollegialen Gesprächen das vorzügliche Abendessen und die Sonnenuntergangsstimmung am See.
21. Oktober: Zum Thema Rituale – was liegt drin? Die Privatisierung des Glaubens innerhalb der Volkskirche und ihre Konsequenzen für die Kasualien verteilt und kommentiert Simon Kuert umfassend begründete Thesen (nachzulesen auf unserer Homepage www.pfarrverein-oberaargau.ch). Wir können uns ihrer Stringenz schlecht entziehen, auch wenn wir die weitreichenden Folgen mit Bedenken, besonders auch, was unsere Arbeitskraft betrifft, zur Kenntnis nehmen müssen. Nachdem Simon Kuert uns viele persönliche Pfarramtserfahrungen, manches von dem, wofür sein Herzl schlägt, und auch Früchte aus der Arbeit an seinem jüngsten Buch weitergegeben hat, bedanken wir uns herzlich beim ihm für seinen überaus grossen, langjährigen, fruchtbaren, vielfältigen und hochinteressanten Einsatz als Sekretär und Vorstandsmitglied unseres Pfarrvereins. (An der Verabschiedung anlässlich des Pfarrkapitels hat er wegen seinen Studienurlaubs nicht dabei sein können.)
22. Oktober: Sondervorstandssitzung in Wynau: Vorbereitung der Sondersitzung zur Vernehmlassung und anschliessend aufwendige und hektische Arbeit aller Anwesenden zur Zusammenstellung einer brauchbaren Vorlage.
28. Oktober: Sondersitzung zur Vernehmlassung zu den veränderten Artikeln der Kirchenordnung zu Ordination und Gemeindeleitung. Aus den Eingaben eines Kollegen und eines Kollegiums sowie Vorschlägen aus dem Vorstand liegt der Entwurf einer Stellungnahme vor, welcher gemeinsam bereinigt, in gewissen Punkten verändert und in anderen von einer Mehrheit unterstützt wird. Unsere schliesslich an den Kantonalen Pfarrverein gesandte Stellungnahme ist ebenso auf unserer Homepage einzusehen wie die zuhanden des Synodalrates verabschiedete Stellungnahme des Kantonalen Pfarrvereins auf dessen Homepage.
4. November: Vorstandssitzung in Ursenbach: Neben dem Jahresprogramm 2010 geht es um eine systematische Archivierung unserer Dokumente, ein neueres Erscheinungsbild unseres Vereins auf der Homepage (bereits geschehen, wir freuen uns sehr darüber und sind Franz Winzeler dankbar), in Logo und Einladungen.
18. November: Pfrn. Sabine Müller, Langenthal, schildert zum Thema Iran – Land und Leute mit Bildern Eindrücke von ihren Iranreisen. Es wurde ein sehr guter, spannender und hintergrundreicher Anlass.
20. Januar: Zum Thema Bibliolog: Eine andere Methode der Verkündigung? – Nicht Theorie, sondern Praxis lässt uns Kollege Franz Winzeler, Wynau, einen Bibliolog erleben und führt uns ein in eine Form aktiver Begegnung mit Bibeltexten in Gruppen, welche er gelegentlich auch für seine Gottesdienste wählt. Es entsteht eine vertrauensvolle, ruhige, lebendige Atmosphäre grosser Aufmerksamkeit und echten Interesses, welche zu einem fruchtbaren Austausch führt. Einmal ein Treffen unter uns, in welchem jedes von uns vorkommt, bezogen auf die Bibel und losgelöst von den Problematiken des Pfarramts. Wohltuend und gelungen.
17. Februar: Mit Pfr. Urs Howald, Fachstelle Theologie, Verantwortlicher Personalentwicklung Pfarrschaft. Zunächst informiert er über Aufbau, Stellenbesetzung und Aufgabenzuteilung im Fachbereich Theologie. Vergleichend mit der Grossbaustelle eines unterirdischen Strassenkreisels in Bern-Wankdorf zeigt er uns sehr viele kleine und grosse aktuelle Handlungsbereiche der Fachstelle, in welchen sehr viel aufgebrochen, umgegraben, neu konzipiert und gebaut wird oder werden soll. (Das Wichtigste wird im nächstens erscheinenden Tätigkeitsbericht der Kirchenleitung zu finden sein). Bei manchem ist bereits erkennbar, was daraus wird; teilweise ist auch noch alles offen oder noch nicht bekannt. Im kurzen Gespräch, das danach noch möglich ist, geht es vor allem um Probleme, Folgen, Fragen und Sichtweisen im Zusammenhang mit den Stellenbeschrieben. Manches sieht Urs Howald ähnlich wie wir; bei anderem hört er zu; teilweise sind die Vorstellungen, z.B. bezüglich Praktikabilität, unterschiedlich.
Viel in diesem Treffen von Urs und uns Angeschnittenes wird uns alle bei nächster oder späterer Gelegenheit bestimmt noch intensiver und länger beschäftigen. An seiner Sitzung vom 24. Februar bei Sekretär Oliver Santschi in Herzogenbuchsee befasst sich der Vorstand neben der Detailplanung des Programms wie immer zeitlich sehr gedrängt mit Themen, die in der Luft liegen, der Archivierung unserer Dokumente, dem bevorstehenden Anlass des Kirchlichen Bezirks zur Leitung in den Kirchgemeinden. Besonders denken wir anteilnehmend und teilweise auch besorgt an Kollegen, denen es altershalber oder in ihrer Kirchgemeinde nicht so gut geht. Wir sehen zwar momentan wenige Möglichkeiten konkreten Handelns, aber möchten doch da und dort ein Zeichen der Verbundenheit geben. 26. Mai 2010: Nach einem schlichten Gottesdienst zu einem Weg zwischen Aktivismus und Resignation unter Einsatz unserer persönlichen Gaben, gestaltet von Kollege Samuel Reichenbach und Kirchenmusiker Christof Fankhauser aus der Kirchgemeinde Rohrbach mit ruhigen und bewegenden, ermutigenden Worten, Musikstücken und Liedern, und der Kapitelsversammlung hält Kollege Dr. Alex Kurz, ebenfalls Rohrbach, den Kapitelsvortrag zum Thema seiner Dissertation und Publikation: Zeitgemäss Kirche denken und stellt seine sehr interessante, überzeugte, überraschte und fragende KollegInnen zu Diskussionen anregende Sichtweise und Umsetzung einer Kirche in der Postmoderne vor. 16. Juni: Dem Wunsch von Kollegen entsprechend, das Thema Bekenntnisse aufzunehmen, referiert Dr. phil. et theol. Matthias Krieg, Leiter der Abteilung Bildung und Gesellschaft der Evang.-Ref. Landeskirche des Kantons Zürich, Leiter der interkantonalen Initiativgruppe und Herausgeber des neulich den PfarrerInnen zugestellten Werkbuchs zur Frage: Neues Bekennen in der Reformierten Landeskirche? Sehr lebendig und kenntnisreich zeigt er auf, dass die Welt um uns in vielen Bereichen wie Sport, Mode, Politik eine Kultur des Bekennens hat, welche wir nicht werten, sondern als auch für Kirche und Glauben relevant erkennen sollten. Aufgrund einer Typologie des Bekennens nach Subjekt, Akt, Ort und Situation plädiert er engagiert und motivierend dafür, in Form qualifizierter Beziehungsarbeit unsere eigene Themenagende in einer tragfähigen Sprache zu erarbeiten und zu vermitteln. Ein abschliessender Blick in die Homepage ref-credo.ch zeigt viele hilfreiche inhaltliche, konzeptionelle und methodische Materialien dazu. Am 25. August setzen wir einen weiteren Wunsch aus unseren Reihen um. Urs Gfeller, Therapeut, Berater, Supervisor und Coach, gestaltet das Treffen zur Burnout-Prävention mit der im Untertitel bezeichneten Intention Vom gesundheiterhaltenden und erfüllenden Umgang mir den Herausfoerderungen des PfarrerInnenalltags sehr lebensnah und praktisch. Mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation zeigt er die Zusammenhänge zwischen sozialen und insbesondere pfarramtlichen Tätigkeiten und Burnout auf, ordnet letzteres biographisch, individualpsychologisch, gesellschaftlich, frömmigkeitsgeschichtlich ein. Mit Einsichten aus Physik, Soziologie, Management, Psychologie, Religion und Glauben ermutigt er zu veränderten und verwandelnden Sichtweisen. Am Schluss gibt er nützliche Papiere zu Selbstbefragung und –reflexion sowie Selbsthilfe ab. Auf dem Ausflug am 13. September, dem Kirchweihtag des Grossmünsters und heutigen Tag des Knabenschiessens in Zürich haben wir das Glück, dass uns in Gisela Dalevit eine ausgezeichnete Führerin zunächst auf ein paar sehr wesentliche und einzigartige Einzelheiten des Grossmünsters hinweist und uns dann unglaublich kenntnisreich, vertieft und umfassend vertraut macht mit Einordnung, Geschichte, Bedeutung, Aussage, Technik und Entwicklung der neuen und letzten Glasfenster von Sigmar Polke und deren Schöpfer. Voller Eindrücke, Bilder und Anregungen gehen wir nach einem Kaffeehalt zurück zum Bahnhof, wo uns der Zürcher Kollege Roman Angst höchst engagiert und spannend eine ganz andere Form von Kirche, die Bahnhofkirche, lebendig werden lässt. Deren erstaunliches, vielfältiges, notlinderndes, geistliches, professionelles, therapeutisches und diakonisches Angebot für Menschen unterschiedlichster sozialer und religiöser Herkunft und mit mannigfaltigsten Bedürfnissen und Anliegen weckt in uns ein hoffnungsvolles und tröstliches Bild des gesamten Wirkens unserer Kirchen für Menschen dieser Zeit, welche sich andauernd in einer urbanen Welt in Bewegung befinden. Das Gespräch über ernste und heitere Erfahrungen macht das abendliche Zusammensein in Langenthal in geselliger Runde bei indischem Essen und Trinken sehr wertvoll. Das Treffen vom 20. Oktober hat Gelegenheit zum Gespräch über die unterschiedlichen Sichtweisen der „Traufe“ – Trauung in Verbindung mit Taufe geboten. Die Kolleginnen Sandra Kunz (Roggwil), Sophie Matschat (Herzogenbuchsee) und Kollege Daniel Ritter (Niederbipp) haben ihre Inputs äusserst gut vorbereitet und dabei theologisch fundiert argumentiert, so dass die praktische Relevanz und Konsequenz unterschiedlichen theologischen Denkens sehr deutlich und spannend wurde. Daraus hat sich ein gutes und faires theologisches Streiten über grundsätzliche Auffassungen von (Kinder- und Erwachsenen-)Taufe, Trauung, Gnade und Liebe Gottes ergeben, und die Anwesenden konnten wertvolle Anregungen mitnehmen. 28. Oktober: Vorstandssitzung bei Franz Winzeler in Wynau zu Jahresprogramm, Anzahl jährlicher Treffen, Zusammensetzung und Aufgabenverteilung des Vorstands, Logo und Homepage. Am 17. November las der mit dem Förderpreis der Stadt Bern ausgezeichnete Raeto Meier aus seinem Buch «Ein anständiger Bürger hat einen Briefkasten», erzählte aus seinem bewegten Leben und von seinen Erfahrungen mit der Krankheit Schizophrenie. Die Anwesenden schätzten seine Ausführungen als sehr lebendig und wertvoll. Es schloss sich eine reges Gespräch an. |
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